Ein kurzer Blick nach innen, was ich hier eigentlich machen will. Mit einer Rückschau und Ansprüchen.

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Rückschau auf frühere Aktivitäten und “die Szene”

Mein altes Blog startete ich aus Anlass der Einstellung unseres Podcasts Sphärengeflüster, der – als halbernste Biergartenidee gestartet – doch recht erfolgreiche Pionierarbeit geleistet hat. Wir hatten einen Schwerpunkt auf DSA 4, gingen in diesem Kontext aber oft auf allgemeine rollenspieltheoretische Themen ein, stellten andere Systeme vor und hatten gefühlt damit durchaus einen gewissen Impact auf die damalige Szene. Auch mein im Jahr darauf gestartetes altes Blog war zeitweise (für meine Maßstäbe) recht erfolgreich. Artikel von mir wurden in (sogar englischsprachigen) Foren verlinkt, hatten teilweise nach einiger Zeit vierstellige Aufrufe (teils mehr), fanden Resonanz auf anderen Blogs und wurden mitunter fleißig und kontrovers kommentiert. Auch wenn meine Serien zu DSA (5) mit Abstand die erfolgreichsten waren, ist RPGnosis von jeher kein Blog über einzelne Systeme, sondern hat schon immer einen klaren rollenspieltheoretischen und universellen Fokus.

Ab 2016 dann schaffte ich es nicht mal mehr im monatlichen Rhythmus zu bloggen, und das Blog ging in der Aufmerksamkeit des Netzes unter. Also, absolut unter, meine ich. Die Zugriffszahlen gingen mit der Zeit auf ein paar Dutzend pro Woche zurück. Das war für mich ok, weil ich eh keine Zeit mehr hatte, mich mit den Themen zu beschäftigen – Kinder, Arbeit und so weiter, die meisten kennen das wahrscheinlich.

Parallel dazu hat sich “die Szene” sehr, sehr verändert. Zu Zeiten von Sphärengeflüster waren soziale Medien noch kein so großes Ding, geschweige denn Spotify und Konsorten – wir hosteten unseren Podcast auf unserer eigenen WordPress-Seite (und bei Apple, das war damals progressiv), Fans verlinkten uns in den einschlägigen Foren, wo dann mitunter auch diskutiert wurde, und das war ok!

Als ich zu Bloggen anfing, begann bereits der Umbruch; zuerst mit Google+, an das sich vielleicht noch mancher erinnert – das machte vielen deutschen Blogs den Garaus, deren AutorInnen in diese Bubble gingen, um dann auch nach deren Platzen nicht mehr auf ihre alten Standorte zurückzukehren. Aber in diese Richtung ging es weiter – soziale Netzwerke und vor allem Discord lösten Foren als Diskussionsplattformen und Blogs als Medium ab, was in meinen Augen die Szene nochmal deutlich zersplitterter gemacht hat. Das Tanelorn hält sich zwar tapfer, hat mich aber aus mir heute nicht mehr ganz eindeutigen Gründen nie so gecatcht und ich würde spekulieren, dass die Zahl aktiver und langfristiger Nutzer dort auch kontinuierlich zurückgeht. Dann begann das Streaming, Pen&Paper-Performance als Unterhaltung für andere statt primär als individuelles Erlebnis, und natürlich immer mehr Podcasts und youtube-Kanäle.

Und ehrlicherweise bin ich da ausgestiegen. Weder kann ich mit sozialen Netzwerken etwas anfangen, noch mit Dutzenden von Subcommunities in verstreuten Discord-Servern. Auch erfüllt es nicht meine Bedürfnisse, Matt Mercer zuzuschauen oder mir von jemandem eine halbe Stunde lang vorsprechen zu lassen, was ich an tatsächlichem Inhalt auch in zwei Minuten selbst hätte lesen können (wenn es denn jemand aufgeschrieben hätte). Ich finde mich auch nicht bei der “Professionalisierung” (Lies: Marketing-Offensiven und Monetarisierungsprimat) der meisten Verlage wieder, nicht in den immer nischigeren Indie- oder den immer wieder wiederkäuenden OSR-Systemen.


RPGnosis als eine Art Gegenprogramm

Mit RPGnosis möchte ich nochmal versuchen, Inhalte ins Netz zu bringen, wie ich sie selbst gerne lesen würde. Ich werde weniger tagesaktuelle Dinge kommentieren, vielmehr habe ich den Anspruch einen – meinen – Stand an sinnvoller Rollenspieltheorie an einem Ort zu bündeln, der dann langfristig auch als Nachschlagewerk geeignet ist.

Dabei möchte ich nicht bei 0 anfangen, sonst werde ich meiner Lebtag hier nicht fertig; ich werde viele Dinge verlinken und muss einiges Wissen voraussetzen, anderes aber auch bewusst unter den Tisch fallen lassen. Ich habe da keine ganz einheitliche Schiene – es wird Artikel geben, die man ohne ein gewisses Hintergrundwissen (oder Mitdenken verlinkter Texte) wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen kann, und andere, die absichtlich keine jahrzentelangen Diskussionsstränge nachvollziehen sondern einfach mal auf den Putz hauen.

Ein Blog ist kein modernes Format (mehr) dafür und sicher nicht das Beste, wenn man heute “Reichweite generieren” will. Das ist aber auch nicht mein Hauptanliegen – ich muss mein Hobby zum Glück nicht monetarisieren und bin niemandem Rechenschaft schuldig außer mir selbst.

Daher ist mein Anspruch zweierlei: erstens möchte ich gewisse Erkenntnisse, Lernerfahrungen und Gedanken (auch für mich selbst) an einem Ort mal verschriftlichen, sammeln und dokumentieren – wer weiß, wofür’s noch mal gut ist.

Zweitens kann ich aber natürlich nicht leugnen, dass ein nicht unwesentlicher Antrieb dafür, das öffentlich zu machen, schon die Hoffnung auf eine gewisse Resonanz ist. Das heißt, die Langfristigkeit dieses Projekts hängt zu einem Teil auch an Zugriffszahlen und Interaktionen (am liebsten sind mir Kommentare).

Das wird die große Frage für mich werden ob das in diesem heutigen Internet und bei den inzwischen doch stark geänderten Szene-Gewohnheiten noch gelingen kann und ausreichend viele andere altertümliche Geister den Weg hierher finden, für die das geschriebene Wort und sein Inhalt einen ähnlich hohen Stellenwert haben wie für mich.


Restjahresplan

Für den Rest des Jahres habe ich auf jeden Fall schon mal geplant. Ehrlich gesagt habe ich schon Monate vor Eröffnung begonnen, mir einen ausführlichen Vorrat an Artikeln anzulegen, den ich in absehbarer Zeit veröffentlichen will. Und daran habe ich gut getan, denn in den letzten Wochen kam ich kaum zum Schreiben. Ich muss also schauen, wie sich der Rest des Jahres hier entwickelt, denn andere Lebensbereiche werden für’s Bloggen nicht auf der Strecke bleiben können.

Bis zum Ende des Jahres habe ich auf jeden Fall einen klaren Überblick darüber, was ich noch schreiben will – etliche RPGnossar-Artikel über wichtige rollenspieltheoretische Begriffe, einen langen Artikel über “realistisches” Regeldesign von Fallschaden, ein bisschen offene Kritik, und im Herbst dann einen – wahrscheinlich – Dreiteiler über Spiel-Kultur/Art/Typ-Fragen.

Langfristig entwickle ich meine Artikel vielleicht gerne auch in Richtungen, die ihr mir vorschlagt, was euch interessiert und ihr gerne lesen möchtet. Schreibt mir einfach oder kommentiert. Im Lauf des nächsten Jahres werde ich dann schauen, ob die Idee von RPGnosis als Elfenbeinturm-Blog in einem Land, das vom Nichts aus Aufmerksamkeitsökonomie und Plattformkapitalismus gefressen wird, aufgeht. Ich halte euch (mindestens noch eine Zeitlang) auf dem Laufenden.

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