Regeln sind alle Strukturen und Mechaniken, die das Rollenspiel als Spiel ermöglichen.

Strukturen geben Abläufe, Prozeduren oder “game loops” vor, in denen das Spiel gemeinhin abläuft. Mechaniken sind die Bausteine mit konkretem Bezug zu Werten, Proben und Spielweltgrößen, die dafür benötigt werden. Die Strukturelle Offenheit ist ein wesentliches und einzigartiges Merkmal von Pen&Paper-Rollenspiel.

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Regeln dienen dem Transfer, der Übersetzung, zwischen der Spielwelt und dem Spieltisch: Sie legen fest, wie der Vorstellungsraum intradiegetisch funktioniert (spielweltverknüpfte Regeln) und wie die Interaktion am Spieltisch ablaufen soll – sowohl auf der Ebene von Meta-Mechanismen, die direkt in den Vorstellungsraum eingreifen (spielweltentkoppelte Regeln, Gummipunkte etc.) als auch rein auf der Ebene des Spieltischs und der Interaktion zwischen Spielenden (z.B. “die Spielleitung hat immer recht”).

Regeln tragen in einem erheblichen Maß zur Schaffung und Aufrechterhaltung des secondary belief bei und definieren wesentlich den Vorstellungsraum und die Handlungsmöglichkeiten darin. Sie legen fest, wie das Spiel abläuft (bis zur Delegation von Entscheidungskompetenzen, ob an Spielwerte und Zufallsmechanismen oder bis zur SL als letzter Autorität), können Verhaltensanreize für Spielende setzen und den “Spielflow” (dynamic im Sinne von MDA) vorgeben.

Explizite Regeln sind solche, die kanonisch im System festgeschrieben sind – sie stehen in den Regelbüchern und Spielende können sich darauf berufen, sofern nicht anders vereinbart. Implizite Regeln können mitunter aus expliziten Regeln geschlussfolgert werden, sind aber stets diskutabel.

Jede/r Spielende verfügt über ein invisible rulebook – so nenne ich die Summe dessen, was er oder sie an Regeln für das Spiel annimmt. Dieses bezieht sich sowohl auf die Interaktionsebene der Spielenden (z.B. “die SL mag immer recht haben, aber ich darf sie schon vor einer Entscheidung darauf hinweisen, dass sie damit falsch liegt”) als auch auf die Funktionsweise der Spielwelt (”wenn nicht anders definiert funktioniert die Spielwelt wohl so, wie ich es aus unserer Realität – oder dem, was ich dafür halte – kenne”). Diese individuell angenommenen Regeln können kanonisch oder implizit, richtig oder falsch sein. Eine möglichst große Übereinstimmung zwischen dem individuellen invisible rulebooks und den expliziten Regeln des Spiels und der Gruppe sorgt für ein flüssiges und konfliktfreies Spiel.

Regeln der sozialen Gruppe, die sich allein auf die Rahmenbedingungen und die Spielenden beziehen (z.B. wann und wo gespielt wird, wie die Verpflegung ausschaut, wer dokumentiert etc.) sind nicht Teil der Rollenspiel-Regeln in diesem Sinne (wohl aber wichtige Teile des Rollenspielgeschehens).

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