Willkommen – ob erstmals oder zurück – bei RPGnosis. Nach einer längeren Phase der Stille möchte ich dieses Blog wiederbeleben. Weniger aus Nostalgie heraus, sondern weil in meiner Wahrnehmung die Nische, die mich interessiert, in der – vor allem deutschsprachigen – Szene zu kurz kommt.

Weiterlesen: RPGnosis intern (1): Wiedereinstieg und Inhalte

Kurze (rantige) Bestandsaufnahme

In den letzten Jahren hat sich die Rollenspiel-Landschaft in meinen Augen erheblich verändert. Während die Corona-Pandemie das digitale (und damit theoretisch überall und jederzeit verfügbare) Spielen beflügelt hat, kann man im Mainstream eine zunehmende Aufmerksamkeits-Ökonomisierung und Kommerzialisierung beobachten. Große Systeme entwickeln sich mehr und mehr zu transmedialen Konsumprodukten, der Hype-Train rast ziemlich schnell durch die Dörfer, wo man früher sich einfach auf ein kommendes Buch (”hoffentlich noch dieses Jahr!”) mit durchdachtem und möglichst umfassendem Inhalt gefreut hat, muss man heute durch einen Stahlhagel von Pledges waten, um dann hoffentlich ein Jahr später ein Dutzend Gimmicks noch dazuzubekommen, die man zwar nicht braucht, aber damals, als die Hype-Zeit des Buches war, cool aussahen. Konsum statt sinnhafte Verwendung, kurzlebige Discord-Kommunikation und dutzende privater Communities statt strukturierter Verlagsforen, Videopodcasts statt haltbarer Interviews, actual plays statt selbst gespielt. Oder gegenüber alle paar Monate der neue heiße Indie-Scheiß, der supergut eine superexotische Geschichte in einem superbeschränkten Setting als superkurzen One-Shot nachbilden kann, nach 2W4 Sessions aber auch verbraucht ist und durch das nächste innovative Microgame ersetzt werden sollte.

Das nervt mich ehrlich gesagt etwas an und wird in meinen Augen der Grandiosität unseres Hobbies nicht gerecht. RPGnosis möchte deswegen wieder einen Gegenpol setzen. Ich möchte das Hobby als solches sowohl in seiner Einzigartigkeit als auch unter den Perspektiven von Psychologie, Philosophie, Gamedesign und Worldbuilding betrachten.


Worum geht es also hier?

Hier wird es wenig tagesaktuelle Inhalte geben, sondern eine abstraktere Ebene des Rollenspiels untersucht. Wir werden gängige Rollenspielmodelle ebenso wie modernere Game Design-Ansätze hinterfragen. RPGnosis befaasst sich mit Psychologie am Spieltisch, mit Spielmechaniken und Spielstrukturen, mit ludonarrativer Dissonanz und dem “Heiligen Ernst” des Spielens. Wir möchten ausleuchten, warum das Pen&Paper-Rollenspiel ein anthropisches Unikat ist, ob Zufallstabellen heute noch cool sein können oder ob es ethisch vertretbar ist, dass der Trolley der Spielhandlung den Quanten-Oger überfährt, um nicht in einem unendlichen Sandkasten zu landen.

“Hauptsache alle haben Spaß” können andere machen. Hier wird es um Spielweltabbildung, mechanische Eleganz, Immersion, Indeterminismus und ähnliche scheinbar „theoretische“ (in Wahrheit sehr praktische) Konzepte gehen.

Um eine höhere Frequenz als früher einhalten zu können – geplant ist ein Rhythmus von spätestens zwei Wochen – werde ich neben den gewohnten Langformaten künftig auch mehr kürzere und mitunter etwas zugespitzte Beiträge veröffentlichen. Die Seite wurde auf einer neuen WordPress-Instanz unter rpgnosis.org maximal datensparsam neu aufgesetzt – falls ihr auf rpgnosis.wordpress.com ein Abo hattet, müsstet ihr dieses hier neu einrichten.

Ich gehe davon aus, dass ich mit meinem Programm hier eine (eventuell) recht kleine Nische in der Nische bediene. Aber vielleicht finden hier auch viele etwas wieder, was gefühlt im letzten Jahrzehnt etwas verlorenging, und mit dem “jüngere” Rollenspielende, die das Hobby nur als Synonym von D&D kennen, vielleicht gar nicht die Gelegenheit hatten, sich auseinanderzusetzen. Gerade in Zeiten von hohlem Konsum und schnellem Dopamin möchte RPGnosis ein zwar vielleicht abgelegener, aber dafür umso höherer „Elfenbeinturm“ werden, um das Hobby Rollenspiel in der vollen Tiefe und Breite zu betrachten und nicht nur nebenbei (oder gar nur passiv beobachtend) zu konsumieren. Ich hoffe auf rege Diskussionen in den Kommentaren – das war früher schon ein Highlight bei RPGnosis und wird es hoffentlich auch in Zukunft wieder werden.

Bitte beachtet auch den Disclaimer und die Netikette.

In diesem Sinne: Willkommen zurück im Kaninchenbau.

7 Kommentare zu „RPGnosis intern (1): Wiedereinstieg und Inhalte“

  1. Avatar von Arkanil

    Hi, freut mich, dass Du den Faden wieder aufnimmst. Mich bewegen tatsächlich ähnliche Dinge, wie Du sie oben auch geschildert hast. Mein Zugang ist ein wenig anders, aber bei der Zustandsbeschreibung sehe ich viele Übereinstimmung. War für mich ein wichtiger Grund, Arkanil wiederzubeleben.

    1. Avatar von Andreas (RPGnosis)

      Finde ich cool, dass du auch wieder aktiv bist – wir hatten damals auch relativ zeitgleich angefangen, wenn ich mich recht erinnere.

  2. […] Der Blog hat sich in seinen dreizehn Jahren auf tiefgehende Analysen von Regeln, Spielpraxis und eigenem Systemdesign konzentriert. Zu lesen waren dort Ausführungen zur Rollenspieltheorie mit Bezug auf englischsprachige Quellen wie The Alexandrian, einem international vielzitierten Blog zu Spielleitung und Rollenspieltheorie, ausführliche Systemanalysen (unter anderem mehrteilige Besprechungen von DSA5 und Ilaris), eigenes Systemdesign rund um Triakonta und das Setting Pandora, und zuletzt eine mehrteilige Serie zu KI-gestütztem Solo-Rollenspiel. In der deutschsprachigen Szene hatten diese theoriegetriebenen, essayistischen Longreads zum Rollenspiel einen festen Platz, wenn auch nur in einer „recht kleinen Nische in der Nische“, wie auf dem Blog selbst zu lesen ist. […]

  3. Avatar von Helme H.
    Helme H.

    Ich kannte RPGnosis bisher gar nicht, bin hier weil auf Arkanil berichtet wurde. Der Hauptmann ist jedenfalls gespannt und wird die Sache verfolgen.

  4. Avatar von Krassling

    Schön, dass es hier noch mal weitergeht. Ich hatte nahezu alle Blogs jenseits von Engor als „ruht in Frieden“ abgespeichert. Bin gespannt auf neue Impulse.

    1. Avatar von Andreas (RPGnosis)

      Du bist höchst willkommen!

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